PO-CONNECTION

Viele Leser kennen den Po von Berichten her über Welsfischen, ich möchte euch den Po von einer anderen Seite präsentieren, wie man noch nicht so oft lesen konnte, nämlich über die „Karpfenseite“ des größten Flusses in Italien.

Der Po hat mich durch seinen enormen Bestand an Welsen seit vielen Jahren in den Bann gezogen. Als ich vor einigen Jahren selbigen nachstellte, trieb im Fluss ein kapitaler Fisch vorbei, den ich von der Größe her als Wels einstufte. Bei näherem Betrachten stellte sich der leider verendete Fisch als Schuppenkarpfen heraus. Die Länge betrug einiges über einen Meter und als passionierter Karpfenangler hatte mich das Fieber gepackt. Da wir eine Gruppe von begeisterten Karpfenfreaks sind begaben wir uns ein Jahr später zu viert, ans Po-Delta um das erste Mal nicht den Wallern, sondern den Karpfen auf den Leib zu rücken. Kurz gesagt: eine Woche Fischen, ein Karpfen mit etwas über 20Pfund. Das hatten wir uns anders vorgestellt, doch dadurch wurde mein Karpfenfieber nur noch schlimmer. Wie viele von uns schon am eigenen Leib erfahren haben, hat sich der Aufwand nicht gelohnt, aber wir Karpfenjäger sind ja Kummer gewöhnt! Ich wollte es einfach nicht wahrhaben, dass mich der Fluss besiegt hat.

Knapp zwei Jahre später war es soweit meinen zweiten Versuch im Juli 2004 als Solotrip zu wagen aber dieses mal in einem Camp am Po-Delta im Wallerparadies hier waren die Voraussetzungen optimal da der Chef vom Camp besser bekannt als Wallerbertl selbst ein begeisterter Karpfenfischer ist, hier holte ich mir noch die letzten Informationen über Wasserstand, Angelköder, Bleigewichte, u.s.w. auch den Gezeitenplan gab es gratis dazu. 
Vollbepackt mit 60 kg Boilies und den restlichen Equipment erreichte ich den Bootshafen.
Dort bekam ich mein vollbetanktes Boot und Bertl persönlich zeigte mir einen Karpfenplatz der von ihm vorgefüttert wurde, wo er meinte es könnte sich lohnen. Die erste Nachte verlief ruhig doch am frühen Nachmittag des zweiten Tages bekam ich den ersten Biss. Im Drill vermutete ich einen 25 Pfünder. Doch er entpuppte sich als 5,18 Kilo Schuppi. Flusskarpfen sind die wahren Helden im Drill. Um es kurz zu machen in einer Woche konnte ich 42 Karpfen bis 26 Pfund zu einen Landurlaub überreden, darunter ein wunderschöner Zeilenkarpfen.

Po-Connection

Wir fischten ausschließlich im Bereich des Naturschutzgebietes im Po-Delta, die idealen Voraussetzungen für einen Karpfenangler, mäßige Strömung, unzählige Inseln und Lagunen wo man noch ungestört sein Hobby ausüben kann. Ein Versuch am Oberlauf Scheiterte wegen zu starker Strömung und regen Schiffsverkehr anfüttern war sinnlos!!
Doch nun zum Wesentlichen, wie komme ich an die Karpfen an so einen großen Fluss?
Grundsätzlich gibt es zwei Methoden, die eine ist es auf eigene Faust zu versuchen, man muss mindestens 4-6 Tage anfüttern bis sich die Karpfen einstellen wenn man den richtigen Platz gefunden hat? Man sollte aber bedenken das die guten Angelplätze mit dem Auto nicht erreichbar sind also ohne Boot geht gar nichts, aber Vorsicht der Po ist kein Bächlein sondern ein mächtiger Fluss und ohne stabilem Boot mit hoher Tragkraft und ausreichender PS Anzahl (Gebäck 2 Mann ca. 500Kg) wird es zu einem riskanten Unternehmen, es kann schnell ein Gewitter mit starken Sturmböen aufziehen da wird eine Fahrt mit dem Faltboot schnell zum Abenteuer!! Ich persönlich kann von Schlauch- oder Faltbooten nur abraten spreche aus eigener Erfahrung.
All diese Probleme sind im Camp im vorhinein gelöst und man kann sich sofort auf die Fischerei konzentrieren.

Ohne Werbung für den Campbetreiber zu machen, aber die Vorteile überwiegen für mich eindeutig. Vom Besorgen der Angellizenz über ein gut gewartetes Boot, vorgefütterte Angelplätze bis hin zur Betreuung von Bertl, der ein recht lockerer Bursche ist von dem man jederzeit gute Ratschläge bekommt, außerdem gibt es noch einen kleinen Angelshop mit Geräteverleih und den Gezeitenplan für Ebbe/Flut gibt es für Gäste gratis dazu. 

Die Ausrüstung sollte man wie folgt wählen. Ruten mit mindestens 3 ½ - 4 lb, große Rollen und Schnurstärken ab 0,35 mm monofil sind die Minimalanforderungen, wenn es gilt im Hauptstrom mit mindestens 220g schweren Bleien zu fischen. Das Vorfach sollte abriebfest sein und die Haken kräftig und dickwandig. Warum solche „Schwergewichte“? Einer meiner ersten Fische verhielt sich im Drill wie ein 30+ Karpfen, erwies sich auf der Abhakmatte aber als 15 Pfünder. Als Köder sollte man ausschließlich Boilies in guter Qualität ab 20mm Durchmesser verwenden. Die Geschmacksrichtung ist wesentlich, wobei fischige Kugeln sicherlich nicht falsch sind. Auf Partikeln wie Mais u.s.w. würde ich verzichten, zu leicht für die Strömung im Po, die vor allem bei Ebbe sehr beachtlich sein kann, außerdem gibt es im Po-Delta riesige Weißfisch Bestände die einem dem Nerv rauben können. 
Die Anfütterungstaktik schaut bei mir folgendermaßen aus: Zu Beginn einer Session füttere ich gerne um die 5-8 Kilogramm an, sollte sich nach 2-3 Tagen kein Fangerfolg einstellen, wechsle ich den Platz. Beginnen die Fische zu beißen, dann behalte ich die Menge bei, sollten sich die Fänge mehren, dann erhöhe ich die Mengen sogar noch. Nun aber zum wesentlichen Punkt um Erfolg zu haben, die „Location“. Besonders an so einen großen Strom ist es nicht leicht zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sitzen. Auch hier sind die Karpfenangler im Bertl`s Camp genau richtig. Um eine Hilfestellung zu geben möchte ich ein kleines Beispiel anführen. Bei meinen ersten Versuch mit meinen Angelkollegen Pezi fischten wir Ende August in einen Nebenfluss. Wassertemperatur ca. 28 Grad, Erfolg gleich Null. Im Frühjahr 2005 fischte quasi auf der gleichen Stelle befreundete Angler und hatten eine Traumwoche bei ca. 16 Grad Wassertemperatur. Im August fischten wir im Hauptstrom und hatten ebenfalls eine Traumwoche, wobei im Frühjahr diese Stelle so gut wie erfolglos war. Deshalb eine einfache Faustregel: Kaltes Wasser=Nebenfluss, warmes Wasser=Hauptstrom. Natürlich sollte man diese Regel nicht als allgemeingültig hinnehmen, aber der Zusammenhang Wassertemperatur, Nebenfluss, Hauptfluss, bzw. ruhige Strömungsabschnitte und Hauptströmung ist sehr wichtig. Allerdings sind diese Zusammenhänge wesentlich komplexer und die Erfahrungen habe ich über 3 Jahre hinweg gemacht, wobei „Wallerbertl“ das seinige dazu beigetragen hat. Plant man einen Urlaub um Fische zu fangen, dann soll man getrost auf die Erfahrung von Leuten hören, die beinahe das ganze Jahr hindurch am Wasser sind und auf den Erfolg der Urlauber angewiesen sind. Eine Besonderheit der Po-Karpfen ist die Vielfalt der Fische, vom Schuppen über Wildkarpfen, vom Spiegel bis hin zum „scaled“Karpfen kann jeder Biss eine andere Schönheit zu Tage bringen. Darüber hinaus ist auch das Erlebnis Natur nicht zu verachten, denn die Vogelvielfalt, aber auch die andere Tierwelt ist beeindruckend. Gar nicht zu Reden von den wunderschönen Sonnenuntergängen am Po. Diese Natur zu schützen und zu achten sollte ein Anliegen aller Angler sein und deshalb auch die Bitte sich an den Regeln der italienischen Behörden zu halten und vor allem die Natur so zu hinterlassen, wie man sie vorgefunden hat, immerhin fischt man im Delta in einem Naturschutzgebiet!

In der Zwischenzeit hatten sich unsere Fangerfolge herumgesprochen. Ein hohes Durchschnittsgewicht und viele Arten sind möglich, Karpfen über 10kg an der Tagesordnung, zwischen 12 - 15kg sind häufig aber nicht alltäglich und Fische über 20kg fängt man nicht alle Tage. Alles in allem ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ganz großen an Land gehen, mittlerweile waren schon viele Angler am Po. Spezialisten wie Ronny de Groot und Andy Velkamp sowie zwei englische Karpfenprofis besuchten das Camp und konnten schöne Erfolge landen, ich weiß selber von einigen Anglern die 2006 etliche Karpfen über 20kg landen konnten, der offizielle Camprekord liegt bei 24,50 kg 
In diesem Sinne wünsche ich allen Po-Fischern und denen die es noch werden möchten tight lines und viele schöne Karpfen.

Ciproud
Udo Silberschneider