Flussbekanntschaften Teil 2
von und mit Charly und Hörby
Nachdem wir 2005 wegen Hochwasser am Po eine kräftige auf die Nüsse bekamen, war es endlich bald soweit nur mehr (oder vielleicht endlose) 3 Wochen bis zu unseren nächsten Trip ins Podelta. Wir freuten uns schon wie die Schneekönige und hatten diesmal eine Woche bei Bertl`s Waller (Karpfen) Paradies für Ende April Anfang Mai gebucht.
Da wir im Oktober 2005 recht wenig von unseren Material brauchten war unsere Ausrüstung fast komplett. Dennoch konnte noch viel passieren, vor allen die Hochwassergefahr war noch nicht gebannt. Nichts desto trotz machte ich mich daran die Kugeln für unsere Reise zu wuzeln. Die Mischung war fertig und ich investierte 2 mal 5 Stunden um die Murmeln im Garten meines Chefs zu machen. Danach wurden sie 2 Wochen in meiner Fischerkabine zum trocknen “eingesperrt“. Eines schönen Tages fragten mich die Nachbarn meiner “Cabana” ob der Gestank wirklich sein müsste, was ich nur mit einen trockenen JA beantworten konnte.
Mittwoch vor unserer Abreise informierte ich mich noch telefonisch bei Bert´l ob Wasserstand und Wetter OK seien. Er sagte mir das es recht gut ausschauen würde. Einen erfolgreichen Angelurlaub stand also nichts mehr im weg.
Freitag 14 Uhr ich hatte gerade meinen Dienst beendet und machte mich mit Charly daran meinen Passat Kombi zu befüllen. Zuerst Großraumschibox aufs Auto und dann Kabine ausräumen, was alles in den Kombi rein soll. Wie mein Chef die Sachen gesehen hat konnte er nur lachen und sagen “das passt nie ins Auto”. Da dürfte er aber den großen Schlichtungsmeister nicht kennen, denn ich habe immer noch alles in ein Fahrzeug hineingebracht, was mir zum staunen meines Boss auch diesmal gelang. Um 1 Uhr nach einen ausgiebigen 90 Minutenschlaf war ich bei meinen Freund gestellt und mit einigen Red Bull in der Kühltasche machten wir uns auf den Weg nach Italien.
Nach einer gemütlichen Fahrt kamen wir gegen 8 Uhr in Porto Viro bei Bertl`s Camp an. Er sagte uns das wir noch Zeit hätten, da er mit uns etwas vor hat. Kein Problem wir gingen noch einkaufen und Wasser fassen und waren nun voll gerüstet. Gegen 10 Uhr führte uns Bertl dann mit seinen Boot und mit einen Teil unserer Ausrüstung auf den für uns vorgesehenen Platz. Da Roberto noch etwas im Stress war und es immer stärker zu regnen begann, luden wir schnell das Boot aus, Charly blieb am Platz und ich fuhr mit Bertl zurück ins Camp. Bei der Rückfahrt wurde mein Gewand dann wieder “trockengeföhnt” und ich machte mich mit Bertl´s Hilfe daran den Rest unserer Ausrüstung in unser Boot zu verladen.
Gegen 13 Uhr war es dann soweit, bewaffnet mit einen Regenschutz machte ich mich mit Vollgas auf den Weg zu unseren Platz, wo mich mein Kumpane sicher schon sehnsüchtig erwarten würde. Als ich in die Nähe des Angelplatzes kam sah ich meinen Freund schon rauchend und gestikulierend, trotz strömenden Regens auf und ab gehen. Ich parkte das Boot bei einen Baum und stellte den Motor ab. Charly sagte nur “sie sind da” und “bei fünfzig habe ich aufgehört zu zählen”. Das war unser Starsignal wir mussten noch das Boot ausladen, Zelt aufstellen und schauen das alles halbwegs trocken bleibt, das Ganze natürlich in Rekordzeit.
Um 14 Uhr 45 war es dann soweit die ersten Kugeln zischten ins Wasser. Als alle 6 Ruten ausgelegt waren, war es Zeit für eine gemütliche Zigarette. Wir saßen gerade entspannt in unseren Sesseln als meine Rutenspitze vibrierte und der Delkim einen kurzen Piepser abgab. Ich sprang mit einen Satz zu meiner Rute und setze einen Anschlag, drei Minuten später zappelte ein 4 kg Schuppi im Unterfänger. Es war gerade mal 10 Minuten nach 15 Uhr.
Nun ging es Schlag auf Schlag bis 19 Uhr hatten wir 10 Karpfen gekeschert, davon 4 über 10 kg. Bis 20 Uhr fingen wir noch 1 Schuppi und beschlossen gegen 21 Uhr schlafen zu gehen. Obwohl Roberto sagte das die Nacht recht ruhig sei und wir doch schon etwas angeschlagen waren legten wir “nur” vier Ruten aus. Nach einer halben Stunde Tiefschlaf meldete sich der erste Bissanzeiger und wir starteten leicht benebelt aus dem Zelt, ich drillte den 3 kg Schuppi und stellte die Rute neben unserer Schlafstätte ab, wo wir gleich darauf wieder verschwanden. Keine Stunde später das gleiche Spiel, nun war Charly an der Reihe. Auch er legte seine Angel neben dem Zelt ab. Nun waren noch 2 Ruten ausgelegt und wir hofften auf ein paar Stunden Schlaf. Erstens kommt es anders Zweiten als man denkt. Um 3 Uhr 30 war es soweit wir konnten endlich beruhigt in unseren Schlafsack kriechen, da nun keine Murmel mehr im Wasser war.
Sonntag 7 Uhr Früh ich koche uns einen Kaffee. Erst jetzt wird uns bewusst was da in den letzen paar Stunden abgegangen ist. Ich holle meinen Zettl hervor und zähle nach was wir gefangen haben. In 12 Stunden 16 Schuppenkarpfen davon 5 zweistellige bis 14,5 kg. Einfach unglaublich. Wir sehen zwar beide aus wie durch den Fleischwolf gedreht, sind aber überglücklich. Der Sonntag verläuft mit 10 Karpfen “relativ” ruhig. Wobei ich einen 16er überlisten kann, noch dazu mit der selbstgemachten Kugel. Das Wetter ist sehr unbeständig und wird auch etwas kälter.
Gegen 21 Uhr 30 ist wieder Bettruhe angesagt. Dann 1 Uhr 30 Dauerton meines Delkim ich hüpfe in Sekundenbruchteilen aus meinen Schlafsack und suche meine Schlapfn (Pantoffeln), währenddessen versuche ich den “Schnarchsack” neben mir durch laute Zurufe zu wecken. “Houston wir haben ein Problem” ich finde meinen rechten Schlapfn nicht und mein bester Freund ist immer noch im Land der Träume (noch dazu da er an der Reihe ist).
Jetzt reicht's mir der Mann gehört mit sanfter Gewalt geweckt. Ich gebe Ihm einen leichten Schlag auf den Oberschenkel, da steht er schon neben mir und ist auf dem Weg zu meiner Angel. Sekunden später stehe ich Unterfänger bei Fuß neben Ihm und warte auf was da kommen würde. Charly war gerade voll in Aktion, der Fisch kam erst auf uns zu, sodass er leichte Probleme mit dem einkurbeln meiner Multi hatte. Doch plötzlich änderte er die Richtung und schwimmt stromaufwärts. Das hatten wir vorher noch nicht erlebt. Nun kam er immer näher. Jetzt müsste er bald zu sehen sein. Vorsichtig gebe ich den Unterfänger ins Wasser. Vom Fisch immer noch keine Spur. Im Schein meiner Kopflampe war noch immer nur die Schnur zu sehen. Charly hatte alles im Griff.
Dann plötzlich sehe ich eine gröbere Schwanzflosse und denke mir das könnte durchaus ein 15er sein. Dann zeigt er sich endlich, macht noch eine kurze Flucht und landet sanft im Kescher. Einmal kurz abklatschen und den Karpfen in die Matte heben. Dann bleibt uns beiden der Mund offen vor uns liegt ein Schuppi mit 99cm, der die ganze Matte ausfüllt und 20,4 kg auf die Waage bringt. Wir sind beide so aufgedreht, das eine Stunde lang nicht an Schlaf zu denken ist.

Wahnsinn was für ein Urlaub in 30 Stunden 27 Karpfen gefangen. Es konnte nicht mehr besser werden, oder doch? Da Montag morgen nicht viel passierte, beschlossen wir jeder 2 Ruten zu nehmen und es einmal vom Boot aus in der Strömung zu probieren. Noch dazu hatte Bertl uns gesagt es unbedingt machen zu müssen. Also fuhren wir auf die gegenüberliegende Seite und ließen unseren Anker etwa 10 Meter vom Ufer ins Wasser. Wir warteten bis wir in der Strömung standen und ich montierte unser Rod pod ( Philip Rod pod). 5 Minuten später waren unsere Ballista hinter dem Boot ausgefächert.
15 Minuten später zappelte der erste “Bootskarpfen” in der Matte. Danach fingen wir noch drei Rüssler in einer Stunde. Bevor wir weitermachen konnten, überraschte uns ein Wolkenbruch und wir mussten abbrechen und auf unseren Platz alles ins trockene bringen. Es gingen uns noch 4 Karpfen ins Netz, bevor wir hundemüde ins Bett gingen.
Dienstag 1 Uhr 15 bin gerade Schwammerl suchen, als ich von weiten eine Stimme höre, die dauernd “Hörby, Hörby du bist dran” schreit. Ich denke mir lass mich in Ruhe, den einen Steinpilz nehme ich noch mit dann ist mein Korb eh voll. Plötzlich fällt es mir ein Po- Karpfenfischen und ich komme langsam zu mir.
Ich sitze im Bett und mein Freund sagt nur “was is schlag an”. Ich weiß immer noch nicht ganz wo ich bin und sage “nimm du ihn”. Schon ist er aus dem Zelt. Körperlich stehe ich jetzt im Freien, aber der Rest von mir ist immer noch im kuscheligen Schlafsack. Ich sehe Charly irgend etwas am Baum herummachen und dann wieder die Angel in die Hand nehmen. Endlich ist auch der Rest von mir aus dem Bett und ich gehe zu meinen Freund ins Boot.
Der sagt nur das sich die Schnur im Baum verhängt hat er aber den Fisch wieder befreien konnte, da er flussaufwärts geschwommen ist. Nun müsste er gleich beim Boot sein. Im Schein meiner Kopflampe sehe ich die Schnur schon ziemlich steil nach unten zeigen und ich mache mich mit den Unterfänger bereit.
Eine Bugwelle zeigt mir das er nur mehr einige Meter vom Boot entfernt ist. Beim zweiten Versuch ist er dann auch im Kescher. Als er dann in der Matte liegt, kriegen wir beide wieder große Augen. Der erste Spiegler und noch dazu was für einer 98cm und 19,5 Kilo schwer. Ich glaube wir waren nicht mehr auf Wolke 7, sondern eher auf 9 oder 10.
Auch die nächsten Tage waren sehr erfolgreich, wobei Charly am Freitag mit einen 103cm und 18,60 kg und vom Boot mit 88cm und 15 kg noch einmal so richtig zugeschlagen hat. Unser Endergebnis lässt sich so zusammenfassen. Wir haben in einer Woche 70 Karpfen mit einen Gesamtgewicht von 500 kg gefangen. Davon 18 zweistellige. Einfach sensationell.
Noch ein paar Worte zur Ausrüstung. Wir haben mit 13 ft Harrison Ballista Ruten aufgebaut von Fa. Kurt Grabmayer gefischt. Empfohlen von “Kurti” und unserer Meinung nach das ideale “Gerät” zum Fischen am Fluss (oder auch sonst wo). Als Hauptschnur eine 41er Kryston, am Korda Clip ein 10 oz (280gr) Big Grippa Blei und als Vorfach eine Monofile (Korda) 25 oder 30 lbs mit starkdrahtigen 2er oder 1er Haken. Da anfüttern auch am Fluss sehr wichtig ist sollte man doch einige Kilo Pellets und Boiles mitnehmen. Wir hatten ca.80 Kilo mit und mussten zum Schluss schon etwas sparsam damit umgehen. Man sollte sich beim Füttern auch unbedingt an die Gezeiten hallten, da bei Ebbe durch die starke Strömung keine Murmel liegen bleibt, ist es ratsamer ein paar Stunden zu warten und dann bei Höchststand der Flut einige Kilo am Platz zu verteilen (Gezeitenliste bekommt ihr von Bertl). Wir haben auch wieder alles mitgenommen von Regen bis Sonnenschein und von Sturm bis Windstille. Aber wenn interessiert das schon bei diesen Fängen.
Abschließend möchte wir uns noch bei Bertl bedanken. Er gibt einen immer gute Tipps und man sollte auf das hören was er sagt. Er hat die jahrelange Erfahrung am Podelta und er weiß auch wann und wo die Fische stehen. Vor allem das Fischen vom Boot aus ist einen Versuch wert Wir möchten uns natürlich auch bei allen anderen bedanken, die uns immer mit Rat und Tat beiseite gestanden sind. Alles in allen war es einfach eine traumhafte Woche von der wir uns wahrscheinlich noch erzählen werden wenn wir zwei alte Knacker auf der Parkbank sind.
HÖRBY und CHARLY
Als Nachsatz möchte ich noch von unseren 10 tätigen Trip im Oktober berichten.
Die ersten fünf Tage waren bedingt durch ein kleines Hochwasser recht mühsam. Wir mussten jede Stunde unsere Schnüre von herabtreibenden Material (Gras, Ästen, Plastiksackerln, Trainingshosen,....) befreien. Obwohl wir mit 300 gr Bleien fischten hatten wir grosse Probleme unsere Montagen am vorhergesehenen Platz zu halten.
Das Wetter war konstant schön und wir hofften das sich die Situation bald ändern würde, da sich die Rüssler auch dezent mit Bissen zurückhielten. Am 6en Tag und 40 Kilo Anfütterung war es dann soweit die ersten Schuppler waren im Kescher. Wir fingen jetzt über den Tag und die Nacht verteilt schöne Flusskarpfen bis 16,5 kg.
Am vorletzten Tag um 0 Uhr 30 spielte mein Delkim ein willkommenes Lied. Ich raus aus dem Zelt , rein in die Wattstiefeln und mit Vollgas zu meiner Ballista. Nach einen kurzen Anschlag spüre ich sofort eine starke Gegenwehr, die mir ca.20-30 Meter von meiner Multi nimmt. Charly macht sich schon mit “Gummler” und Kescher in Richtung Fisch auf den Weg. Ich folgte im langsam und pumpe den “Kämpfer” am anderen Ende meiner Schnur immer näher. Wir standen nun Beide fast bis zur Hüfte in Schlamm und Wasser.
Mein “Gegner” schien schon etwas müde zu werden und konnte nicht mehr weit vom Kescher entfernt sein. Kurz sehe ich eine Schwanzflosse im Schein meiner Kopflampe, kann aber nicht einschätzen wie groß er ist. Dann höre ich meinen Freund sagen “Pass auf des is a Großer”. Mein Puls ist kurz auf 250, beruhigt sich aber wieder wie Charly sagt “passt is drin”.
Wie er dann auf der Matte liegt fallen uns beinahe die Augen raus 110 cm und 24,5 Kilo was für ein Fisch. Unser Endergebnis waren 35 Schuppis 17 davon zweistellig. So ein Jahr wird schwer zu topen sein, aber wir werden daran arbeiten. Nun ist aber endgültig Schluss. Wir wünschen allen Freunden und Kollegen ein erfolgreiches 2007 und nur “Dicke“.