Flussbekanntschaften Teil 1

FlussbekanntschaftenNachdem das Angeljahr 2004 von einigen Schlägen in die Magengrube gekennzeichnet war, waren unsere Hoffnungen auf einen versöhnlichen Ausklang eher bescheiden, noch dazu weil es sich um Flussfischen auf Karpfen handelte. Ich machte mich auf den Weg in meine Wohnung, nachdem ich mir noch einige Infos bei unseren Fischereigeschäft von Kurt G. und Erich U. holte, um ein paar Kilo Murmeln zu wuzeln. Der Duft war schon mit Charly festgelegt worden und ich verfeinerte den Solar-Fischmix noch mit etwas Robin Red und Weizengriess, das Ganze stark überflavourt und los ging`s. Nach 5 Stunden in meiner Großraumküche (5 m©˜) waren die Boilies endlich fertig und zum Trocknen aufgelegt. Jetzt noch schnell und lautlos bei den Nachbarn vorbei, falls jemand fragen sollte wo dieser fürchterliche Gestank herkommt, Unschuldsmiene aufsetzen bzw. Schulterzucken und ab zu einen sehr wichtigen Termin.

Endlich 8.Oktober es war an der Zeit Charly`s Firmenauto zu befüllen. Wir hatten uns eigentlich schon ziemlich Alles in unsere Fischerkabine vorgerichtet und schafften es relativ schnell den kleinen Kastenwagen so vollzuschlichten, das locker noch ein oder zwei Löschpapiere reinpassten. Jetzt nur noch die überdimensionale Schibox mit Ruten und diversen “Kleinmaterial” bestücken und wir waren startbereit. Samstag 3 Uhr 30 nach einen ausgiebigen 2 Stundenschlaf trafen wir uns bei der Wohnung meiner Freundin (der ich an dieser Stelle für ihr Verständnis zu meiner Leidenschaft danken möchte, natürlich auch an Charly`s bessere Hälfte) und machten uns auf den Weg in den Süden. Nach 8 Stunden Fahrt (mit zwei ausgiebigen Pausen) kamen wir nach Porto Viro in Bertl`s “Wallerparadies” an.

Nach einen kurzen Mittagessen im benachbarten Restaurant lernten wir dann Bertl kennen. Wir plauderten über die letzten Fangerfolge und fragten Ihn wo den die fängigsten Plätze seien. Er gab uns bereitwillig Auskunft, zeigte uns noch auf seiner Karte wo die Hot Spots für Karpfen waren, sagte aber auch gleich das es besser ist im Hauptstrom zu fischen. Nachdem dies alles erledigt war und wir zufrieden mit dem Gehörten waren fuhr er uns zum Bootshafen, wo unser Transportmittel schon bereit stand. Nach einer kurzen Unterweisung holten wir uns noch die Fischereilizenz, Echolot und Trinkwasser und begannen alles vom Auto ins Boot zu laden. Ich brauche wohl niemand zu sagen was es heißt “das Boot ist voll”. Es war inzwischen 14 Uhr und höchste Zeit sich nach einen geeigneten Platz umzuschauen. Wir fuhren zuerst stromabwärts fanden aber keine geeignete Stelle Nach ca.3 Kilometer kehrten wir um und versuchten oberhalb von Bertl`s Camp unser Glück. Hier waren schon einige vielversprechende Stellen, die uns aber aus verschiedenen Gründen immer noch nicht ganz zusagten. Also beschlossen wir noch ein Stück flussaufwärts zu fahren, bis wir zu einer großen Sandbank kamen, die uns auch Bertl auf seiner Landkarte gezeigt hatte. Echolot eingeschaltet, zwei mal auf und ab gefahren und wir stellten fest das dies “unser” Platz ist. Inzwischen war es knapp vor 17 Uhr und es lag noch jede Menge Arbeit vor uns, ein kurzer Augenkontakt mit Charly und dann mit Vollgas ans Ufer. Beim letzten Tageslicht hatten wir dann endlich Zeit unsere Ruten aufzubauen. Wir einigten uns auf 4 verschiedene Kugeln und legten unsere 6 Ruten im Halbkreis mit genügend Abstand aus. Danach noch Nudeln aus der Tüte, ein Kaffee mit Amaretto und ab ins Land der Träume. Am nächsten Morgen waren wir beide froh das die Nacht ohne “Nebengeräusche” abgelaufen war. Ich kochte uns einen Kaffee und wir besprachen unsere Strategie für die nächsten Tage. Am Wasser war fast keine Bewegung zu erkennen, worauf Charly beschloss die große Kelle auszupacken und einige Kilo Boilies und Pellets anfütterte.

FlussbekanntschaftenWir bestückten unsere Ruten neu und erst jetzt fiel uns auf das unser Boot im trockenen lag. Nun wussten wir was Bertl meinte das man momentan ca. 1 Meter ”Hub” hat (und das Ganze einmal am Tag und einmal in der Nacht). Der Himmel war bedeckt und es kam ein leichter Wind auf. Die Temperaturen waren recht angenehm und so ging der Tag vorüber. Gegen Abend warfen wir wieder unsere 280 gr. Bleie aus und ich begab mich in meine “Coleman-Küche” und Charly machte sich mit seiner “Kelle” auf den Weg. Um 21 Uhr war dann Nachtruhe angesagt. Montag Morgen, ich lag schon 1 Stunde schlaflos auf meiner Liege und hörte den gleichmäßigen Sägegeräuschen meines besten Freundes zu. Da hörte ein vertrautes Platschen, raus aus dem Schlafsack, rein in die Gummistiefeln und beim lautlosen rausschlüpfen Fernglas nicht vergessen. Es war zwar noch dunkel aber in einer halben Stunde würde ich schon was sehen. Also abwarten und Tee trinken. Nach einer genüsslichen Zigarette hörte ich wieder dieses vertraute Geräusch einige Meter von unseren Ruten entfernt. Im Zelt war jetzt “tote Hose”. Ich beschloss ein Stück flussabwärts zu gehen um zu sehen was dort schon zweimal aus dem Wasser sprang. Keine 2 Minuten später sah ich “Ihn”, es war ein Karpfen. Sie waren da und ich wollte die frohe Botschaft natürlich gleich meinen alten Freund mitteilen, der machte aber noch auf toter Mann. Der Herr bequemte sich dann um halb acht aus dem Zelt sein Kaffee stand schon auf dem Tisch und er fragte mich verschlafen ob irgendwas los war. Nach meiner Schilderung kam neues Leben in meinen Freund und allgemeiner Optimismus machte sich breit. Also wieder Ruten neu bestücken und Groundbaiter aktivieren. Entgegen unseren Erwartungen verlief auch dieser Tag sehr ruhig. Dienstag 2 Uhr früh, ein tosendes Geräusch reißt uns aus den Schlaf, ein Transportschiff fährt gerade bei uns vorbei und wir hetzen schnell aus dem Zelt, um zu sehen ob die darauffolgenden Wellen unsere Ausrüstung auf dem vorgesehenen Platz lassen. Es passiert nichts und wir können die ganze Nacht durchschlafen .

Flussbekanntschaften Am Morgen wieder das selbe Spiel gegen halb 6 fangen die Karpfen an zu springen und um halb 8 ist der ganze Spuck wieder vorbei. Wir beschließen 3 Ruten etwas weiter flussabwärts auszulegen und noch mehr anzufüttern. Wieder verbringen wir einen ruhigen Tag und bis auf ein entferntes Gewitter auch eine ruhige Nacht. Mittwoch Morgen wieder das Selbe wie am Vortag. Ich beschließe deshalb meine Harrison Balista mit zwei kleinen selbstgemachten Murmeln zu bestücken und sie noch weiter flussabwärts auszuwerfen. 12 Uhr Mittag mein Delkim macht plötzlich einen Dauerton. Wie von der Tarantel gestochen springen wir aus unseren Sesseln und sprinten zu meiner Rute. Ich setze einen kurzen Anhieb und fange gleich an zu pumpen. Der Fisch macht eine kurze Flucht in die Strömung überlegt es sich anders und zieht dann Richtung Ufer, wo ein Baum im Wasser liegt. Ich kann ihn jedoch mit etwas Nachdruck dazu überreden jetzt Richtung Boot zu kommen, wo Charly auch schon mit dem Unterfänger wartet. Ich steige vorsichtig ins Boot und versuche in schön langsam über den Kescher zu bringen. Da zeigt er uns das erste Mal seine Breitseite und ich glaube mein Puls ist jenseits von 200. Er taucht noch einmal ab ich mache aber noch etwas Druck und hebe die Ballista (an dieser Stelle möchten wir uns bei Kurt Grabmayer für diese von Ihm empfohlene und aufgebaute Rute bedanken - ein echt geiles Gerät) etwas an und er gleitet langsam in das Netz. Ein wunderschöner Karpfen mit Schuppen so groß wie eine Kaffeetasse und einen Maul wie ein Scheunentor lag nun vor uns. Einmal Abklatschen, dann wiegen, messen und fotografieren. Danach wurde der 14,5 kg Genosse wieder schonend ins kühle Nass zurückgesetzt. Wir lachten beide über das ganze Gesicht und waren froh einmal nicht Schneider nach Hause zu fahren.

Flussbekanntschaften Die Ballista wurde von mir wieder neu ausgelegt und ich lehnte mich entspannt zurück. Der nächste Biss egal auf welcher Rute war ja jetzt für Charly bestimmt (unter alten Freunden sollte es keinen Konkurrenzkampf geben wer jetzt den Größten fängt und außerdem hatten wir das immer so gehandhabt). 14.10. Da am Vortag nichts mehr Entscheidendes passierte, beschloss Charly eine seiner Ruten etwas weiter Stromaufwärts zu platzieren. Gegen 14 Uhr zwei kurze Pieper seines Carpsounders. Gespannt beobachteten wir die Rutenspitze die direkt vor unseren Füßen im Rod Pod stand. Die Angel begann sich dann sehr leicht Richtung Wasser zu neigen. Mein Freund überlegte kurz und setzte einen leichten Anhieb (es hatte sich wahrscheinlich eh wieder nur ein heruntertreibender Ast in der Schnur verfangen). Doch plötzlich nahm der “Hänger” etwas Schnur von seiner Infinity. Ich war mit einem Satz beim Unterfänger und machte mich auf den Weg ins Boot, Charly folgte mir unauffällig. Der Fisch war nun schon fast beim Kescher, wurde jetzt aber sehr böse und Charly hatte ganz schön zu tun, das er nicht wieder in die Strömung hinauszog. Nach fünf Minuten machte er aber den Ganzen ein Ende und ich konnte den Schuppi mühelos keschern. Auf der Matte betrachteten wir dann den 9 kg schweren wunderschönen “Goldfisch” der von meinen Freund sofort “Flossi” (Brustflossen wie meine Handfläche) getauft wurde. Nun war der Urlaub entgültig gerettet und die Niederlagen der letzten Monate waren auch vergessen.

Flussbekanntschaften Charly fing an diesen Tag noch einen Schuppi mit 10,5 kg und ich fing in der Nacht je einen Spiegler und einen Schuppler. Nun war bereits Freitag und unser Urlaub neigte sich dem Ende zu. Jeder von uns hatte jetzt 4 Gelbe gefangen und es war gegen 15 Uhr und wir machten uns daran unsere Kugeln zu kontrollieren. Charly ging stromabwärts um seine äußerst links stehende Rute zu überprüfen und ich machte mich stromaufwärts auf den Weg. Plötzlich ein durchgehender Dauerton seines Carpsounders, der noch etwas weiter oberhalb meiner rechten Rute stand. Ich schreie noch schnell “Oida”und bin schon mit riesen Schritten die ca 50 m bis zu Charlys Angel unterwegs. Ich setzte den Anhieb und schon steht mein Freund atemlos neben mir (habe gar nicht gewusst das man mit alten Badeschlapfen schneller als Carl Lewis auf 100 m sein kann). Nun zeigte sich was diese Fische für eine Kraft hatten. Dieser zog mühelos trotz 280 gr Blei und streng eingestellter Bremse 20- 30 Meter Schnur von der Spule. Da Charly sowieso genug zu tun hatte holte ich schnell den Unterfänger und ging langsam einige Schritte ins Wasser um eine nicht zu seichte Stelle zum Keschern zu finden. Charly war noch immer schwer beschäftigt und atmete wie eine alte Dampflok, schien aber sonst alles im Griff zu haben. Immer näher kam der Fisch und ich wollte ihm noch ein oder zwei Schritte entgegen gehen, was aber nicht ganz funktionierte da sich meine Gummler im Schlamm festgesaugt hatten. Egal, musste auch so gehen. Langsam verkleinerte sich der Abstand zwischen Fisch und Unterfänger. Mein Freund hatte nun alles unter Kontrolle und versuchte den Karpfen über den Unterfänger zu bringen. Unser Sportfreund hatte sich noch nicht gezeigt, aber plötzlich eine Bugwelle 2 m vorm Netz. Nun hatte ich schwere Bedenken ob dieser Fisch so einfach in den Unterfänger passen würde. Ich ließ mir aber nichts anmerken und Charly startete einen zweiten Versuch. Der Fisch kam wieder näher und diesmal klappte es, er war im Netz. Charly half mir jetzt noch aus dem Wasser. Dann wurde gewogen und gemessen. Das Ergebnis waren 1 m und 17,5 kg geballte Kraft. Wir waren beide auf Wolke 7.

Am Abend ließen wir bei einer Fat Lady (Zigarre) die letzten Tage Revue passieren und schliefen glücklich und zufrieden ein. Wir haben insgesamt 11 Karpfen zwischen 8 und 17,5 kg gefangen, wobei Einer schöner wie der Andere war (es muss nicht immer 20+ sein). Für uns war es eine der schönsten Karpfen Session die wir je gemacht haben. Zum Schluss haben wir natürlich alles noch im Regen abgebaut, das war aber wieder schnell vergessen als wir an die schöne Woche zurückdachten.

Zum Schluss möchten wir uns noch bei allen bedanken, die uns bereitwillig nützliche Informationen über die Fischerei am Po gaben. Auch natürlich an Bertl der uns wirklich gut betreute und ein lockerer und klasser Bursch ist.

Wir freuen uns schon auf die nächsten “Flussbekanntschaften”

Herbert Freissl & Karl Adler