BONITO, THUNFISCH UND CO -  FISCHEN IN DER ADRIA – 2017/2018

Bericht von Eduard Krawagna

 

Ich habe in den letzten Jahren wirklich sehr oft im größten italienischen Fluss, dem Po, gefischt. Es ist für mich immer noch sehr interessant den schlauen Waller zu überlisten oder den kampfstarken Flusskarpfen nachzustellen.

Trotzdem ist die Zeit reif einmal was ganz anderes auszuprobieren. Als ich noch nachdenke, was das genau sein sollte, erfahre ich vom Wallerbertl, dass er jetzt durch einem Partner auch die Möglichkeit anbietet in der Adria zu fischen.Das klingt natürlich hochinteressant, wirft aber gleichzeitig eine Menge Fragen auf.

Welches Equipment brauche ich? Wie läuft das ab? Traue ich mich überhaupt und vor allem – welche Fische fängt man da?Also Fragen über Fragen, die mir durch den Kopf gehen. Natürlich habe ich auch schon einiges gehört oder gelesen und natürlich schaue ich mir im Internet den einen oder anderen Film an.

Mein Interesse steigert sich von Tag zu Tag und plötzlich ist die große Frage nicht mehr ob ich es probiere, sondern wann. Es lässt mich nicht mehr los, ich muss es einfach tun.

Auch wenn ich ein wenig Angst habe – ist ja komplettes Neuland und ich hab den einen oder anderen Drill gesehen – das ist wirklich respekteinflößend - egal, es hat mich richtig gepackt und ich muss da so schnell wie möglich hin.

Es ist Anfang August 2017 – Zeit Nägel mit Köpfen zu machen. Ich rufe den Wallerbertl an, wir vereinbaren kurzfristig einen Termin und ich spreche natürlich auch mit dem Mann, der das alles erst möglich macht.

Michael besitzt 2 Boote, die im Hafen von Pila liegen. Er stellt natürlich auch das notwendige Equipment zur Verfügung. Was aber am wichtigsten ist – er hat die notwendige Erfahrung, ohne die man keine Chance hat etwas Vernünftiges zu fangen. Ohne ihn läuft gar nichts.

Auf dem offenen Meer kann es schon mal gefährlich werden, daher ist die Verlässlichkeit und die Erfahrung des Teams von unschätzbarem Wert.In ein paar Tagen geht es los. Wie vor jeder neuen Herausforderung bin ich ziemlich nervös. Gott sei Dank ist die Packliste für das Offshore fischen nicht so lange wie beim Karpfen angeln. Das Wichtigste ist ja bereits an Bord, daher geht es hauptsächlich um Bekleidung, Sonnenschutz und persönliche Dinge. Extrem wichtig ist ein Mittel gegen die Seekrankheit, speziell wenn nicht klar ist, wie man auf Wellen reagiert. Ich bevorzuge „Neo Emedyl Dragees“, denn alle Mittel gegen Seekrankheit machen müde, aber dieses enthält uch Koffein zum Ausgleich.

Alles ist geklärt – alles gepackt – auf zur Adria.

In circa 6,5 Stunden bin ich vor Ort. Jetzt brauche ich nur noch gutes Wetter.

Ich verbringe die Nacht im Camp beim Wallerbertl und wir besprechen noch alles für meine erste Ausfahrt am nächsten Tag,

Am nächsten Morgen schlucke ich ca. 1 Stunde bevor ich abgeholt werde meine Pille gegen die Seekrankheit. Wir fahren ungefähr 25 Kilometer nach Pila direkt im Po Delta.Im Hafen angekommen beladen wir das Boot – Ausrüstung und Köder (Sardinen), Getränke und ein wenig Proviant.

Noch schnell getankt und los geht’s.

 

Wir fahren flussabwärts Richtung Mündung und von da auf das offene Meer.
Ich bin total entspannt, aber gleichzeitig hochkonzentriert. Der Alltagsstress, der Job, alles ist vergessen. Nur noch freudige Erwartung was wir fangen werden.

Aber zuerst brauchen wir Köderfische. Mit dem Echolot suchen wir gute Stellen. Während der Fahrt beobachten wir aber auch genau die Wasseroberfläche. Ansammlungen von Möwen – fliegend oder schwimmend – sin

d immer gute Anhaltspunkte für Fischschwärme an der Oberfläche bzw. für Räuber, die hinter den kleinen Fischen her sind. Und tatsächlich dauert es nicht lange bis wir raubende Bonitos an der Oberfläche sehen.Wir fahren hin und lassen uns lautlos herangleiten. Mit einer Spinnrute und Kunstköderversuche ich einen Biss zu bekommen. Leider vergeblich – mir fehlt die Übung und die Bonitos sind so schnell wieder wegwie sie aufgetaucht sind.

Das ist ein einzigartiges Schauspiel – ich bin fasziniert.

Wir suchen weiter nach Köderfischen, sprich Makrelen. Schnell finden wir eine gute Stelle. Kleinfischschwärme am Meeresgrund sind am Echolot zu sehen – ein gutes Zeichen. Wir sind an einer Strömungskante, wo es aufgrund der Kleinfische auch Räuber gibt. Wir verankern das Boot. Sofort beginnen wir mit Sardinenstücken anzufüttern um eine Futterspur in der Strömung anzulegen.

Ich bestücke eine ganz leichte Rute mit Sardinenschwänzen – kaum sind diese Köder in Grundnähe zuckt es auch schon an der Rute. Ich ziehe gleich 5 zappelnde Makrelen hoch. Meine ersten Makrelen aus der Adria, sie sind die Voraussetzung für die heiß ersehnten Raubfische.

Da auf dem Echolot auch immer wieder größere Einzelfische zu erkennen sind, beschließen wir an dieser Stelle zu bleiben.

Michael bestückt die Big Game Ruten mit den Makrelen und positioniert sie in verschiedenen Tiefen. Jetzt heißt es warten. Um die Zeit zu verkürzen und um einen Vorrat anzulegen, fange ich weiterhin Köderfische.

Ich genieße das hervorragende Wetter und das Meer – alles was mir noch zum absoluten Glück fehlt, ist das surrende Geräusch der Rolle, wenn ein dicker Fisch abzieht.

Bisher läuft alles perfekt und wir plaudern über bereits erlebte Angelsituationen während das Boot mit den Wellen schaukelt – da fällt mir ein – keine Spur von Seekrankheit – ob die Tabletten wirken oder ich gar nicht seekrank werde ist letztlich egal - Hauptsache es funktioniert.

Nach einiger Zeit hören wir ein kurzes Ticken an einer der Rollen. Die Rutenspitze zuckt und dann geht’s los. Mit irrer Geschwindigkeit rauscht Schnur von der Rolle. Der Michael stellt die Bremse ein und drückt mir die Rute in die Hand. Es ist soweit – mein erster Drill im Meer. Das Adrenalin schießt mir in die Adern.

Welcher Fisch ist das wohl? – werde ich ihn landen können? Er kämpft gut und Michael meint, dass es wahrscheinlich ein Bonito ist. Ich bin ziemlich mit der für mich ungewöhnlichen Rute beschäftigt – der Unterschied zu meinen „normalen“ Angelruten ist groß. Man spielt das zwar geistig immer wieder durch, aber in der Praxis habe ich dann doch ziemlich zu kämpfen um alles richtig zu machen.

Michael gibt mir Anweisungen und schließlich gelingt es mir den Fisch ans Boot zu drillen.
Es ist tatsächlich ein Bonito. Nachdem er seine letzten, immer enger werdenden Kreise gezogen hat, holt ihn der Michael ins Boot. Ich bin begeistert – ein super Gefühl – mein erster guter Fisch und wir sind noch gar nicht lange draußen. Der Bonito ist ein ausgesprochen schöner isch mit einer tollen Zeichnung und in Relation zu seiner Größe hat er enorm viel Kraft. 

Absolut kein Vergleich mit Süßwasserfischen. Spätestens    jetzt ist eines klar, ich will auf jeden Fall mehr. Mit der Hilfe vom Bertl und Michael wird das auch gelingen. Das Wetter ist gut, mein Verlangen nach mehr aufregenden Drills ist groß, also fahren wir am nächsten Tag wieder raus.

Aufgrund vorhandener GPS Daten versuchen wir an der gleichen Stelle wie gestern Köder zu fangen, aber wir haben heute keinen Erfolg. Das Meer ist jeden Tag anders – andere Wellen, andere Strömung, ja sogar die Farbe verändert sich. Also fahren wir weiter raus und suchen einen neuen Platz.

Diesmal dauert etwas länger, aber schließlich fange ich doch ein paar Makrelen. Nach dem Auslegen der Köder beobachten wir raubende Thunfische – leider sind sie zu weit weg – schade, ich wäre jetzt gerne mitten drinnen gewesen.

Nach geraumer Zeit beginnt die Rolle mit dem am tiefsten positionierten Köder langsam abzulaufen. Michael meint, für einen Thunfisch oder Bonito ist der zu langsam. Das könnte ein Rochen sein.

Fakt ist, der Fisch hat Kraft – ich habe Probleme ihn hochzupumpen. Der Fisch zieht immer wieder zum Grund. Er ist nicht so schnell, aber wesentlich kraftvoller als der Bonito von gestern. Ich kann es kaum erwarten ihn zu sehen. Es dauert noch eine ganze Weile, aber dann kommt er das erste Mal hoch.

Es ist wirklich ein Stachelrochen und was für einer. Wahnsinn – Adrenalin pur – ich darf diesen Fisch auf keinen Fall verlieren.

Man vergisst alles rundherum, nur noch der Fisch und du – wer wird gewinnen? - darum bin ich hier. Es gibt nichts vergleichbares, als einen Fisch zu drillen, den man noch nie an der Angel hatte. Langsam wird der Stachelrochen müde. Er wird bis zum Schwanzende ca. 1,8 Meter lang sein. Da fällt mir ein, Stachelrochen sind sehr gefährlich. Sie können einen mit ihrem giftigen Stachel schwer verletzten. Wir sind sehr vorsichtig und fixieren den Schwanz mit dem Stachel sobald der Rochen an Bord ist. 

                                             

Jetzt wird mir erst bewusst, was für ein schönes, außergewöhnliches Tier das ist. Wir machen rasch ein paar Fotos und setzen diesen prachtvollen Fisch zurück.

Was für ein Erlebnis – erst später sollte ich erfahren, dass dieser Stachelrochen zu den größten zählt die hier gefangen wurden. Also für mich in jeder Hinsicht ein Ausnahmefisch – ich bin überglücklich.

Später, sozusagen als Draufgabe hatte ich dann noch einen Biss von einem Thunfisch. Leider ist er sofort ausgestiegen. Natürlich hätte ich ihn gerne gefangen, aber Bonito, Stachelrochen und dann auch noch ein Thunfisch gleich beim ersten Versuch in der Adria, wäre wohl zu viel des Guten gewesen. Ich bin trotzdem sehr zufrieden und ich bin sicher, dass ich wiederkomme. Es gibt noch eine Menge zu erleben.

Im Juli 2018 ist es wieder so weit. Alles ist vorbereitet und die Fische warten. Während ich nach Porto Viro fahre, gehen mir viele Dinge durch den Kopf. In erster Linie beschäftigt mich der Thun, der kurz nach dem Biss ausgestiegen ist. Werde ich eine neue Chance bekommen? Ich möchte unbedingt spüren wie das ist, wenn man einen guten Thun an der Angel hat. Man sagt, sie sind enorme Kraftpakete und dass sie nicht aufgeben und dass sie nicht selten das „Big Game“ gewinnen, wenn man nicht von Anfang an konzentriert zur Sache geht.

Ich habe großen Respekt, aber ich will es wissen.

Also fahren wir raus – zuerst geht es wie immer auf Köderfische, Wir haben Glück, es läuft gut und ich fange jede Menge Makrelen, So viele, dass wir die größeren nicht als Köder verwenden, sondern gleich ausnehmen – sie kommen in die Kühlbox – für das Abendessen. Wie sich später herausstellen sollte, gibt es noch etwas viel Besseres für die Pfanne. Ein schöner Bonito hatte Appetit auf eine Makrele. Der Drill war kurz aber heftig. Das war schon mal ein guter Start und ich freue mich auf mehr.

Das Wetter ist auch fantastisch – selbst eine drohende Gewitterfront, die auf uns zukommt, löst sich wieder auf – ich fühle mich hervorragend. Entspannung pur, es gibt nichts Besseres.

Trotzdem sollten die Highlights erst kommen.

Als erstes hat noch ein Bonito den Köder geschnappt und schon wie er Leine abgezogen hat, deutete darauf hin, dass er größer ist als die bisher gefangenen. 

 Dem entsprechend dauerte auch der Drill wesentlich länger.

Als der Bonito nach oben kommt und seine typischen Kreise zieht, sehe ich, dass er überdurchschnittlich groß ist. Ich freue mich riesig – das ist großes Glück, denn es gibt bestimmt eine Menge Sportfischer, die viele Bonitos gefangen haben, ohne dass so ein Exemplar dabei war.

Und meine anglerische Glückssträhne geht weiter. Tags darauf fischen wir mangels Makrelen noch mit den aufgetauten Sardinen. Während ich mich auf das Fangen von Lebendködern konzentriere, beißt ein Blauhai nach dem anderen. Sie sind alle klein – der größte war gerade mal 80 cm lang, aber es waren 7 Stück. Ich gebe zu – ein Drill mit einem großen Exemplar dieser Spezies könnte mir schon gefallen. Aber ich bin zufrieden, denn das sind fantastische Fische – allein dieses samtige Blau ihres Rückens ist ein Hit.

Wir bestücken die Ruten mit den inzwischen gefangenen Makrelen und während wir warten, meint Michael, dass heute noch irgendetwas Außergewöhnliches passiert. Ich dachte noch, da ist wohl mehr der Wunsch der Vater des Gedankens, aber tatsächlich hat Michael gute Einzelfische auf dem Echolot entdeckt, die uns einen Biss bringen könnten.

Ich bin bereit – und tatsächlich – es ist mitten am Nachmittag, als plötzlich Leine von einer Rolle am Bootsheck gezogen wird – und zwar mit extremer Geschwindigkeit. Das ist mit Sicherheit ein Thunfisch. Sie erreichen Geschwindigkeiten von über 70 km/h. Das bedeutet ca. 19 Meter/Sekunde. Man kann sich vorstellen, wie schnell da eine Rolle leer ist. Also jetzt muss alles sehr schnell gehen – Michael checkt kurz die Rute – dann klinkt er eine Boje ans Ankerseil, damit wir den Anker später wiederfinden. Während ich die anderen Ruten einhole, stellt er die Bremse an der ablaufenden Rute ein und drückt sie mir in die Hand. Ich versuche sofort zu pumpen um Leine einzuholen, aber das geht nicht – der Thun ist zu stark – wir müssen ihm nachfahren um wieder Leine auf die Rolle zu bekommen. Als wir wieder näher dran sind versuche ich erneut zu pumpen – unmöglich – der Fisch hat zu viel Kraft. Leine einkurbeln geht nur wenn es der Thun zulässt. Ich kann ihn maximal halten und wenn er möchte nimmt er mühelos Schnur – er flüchtet immer wieder.

Spätestens jetzt ist mir klar, wie wichtig die Steuerung des Bootes während des Drills ist, um den Fisch nicht zu verlieren. Es ist sozusagen eine Interaktion zwischen Fisch, dem Bootsführer und dem Angler. Das muss passen, sonst gibt es Probleme. Ich habe immer davon geträumt so etwas zu erleben – jetzt bin ich mitten drin – ich bin völlig gebannt und kann es noch gar nicht glauben. Ich versuche hochkonzentriert zu bleiben und langsam bekomme ich die Sache besser in den Griff. Es geht hin und her, jedes Mal wenn ich mühsam ein paar Meter Leine gewonnen habe, zieht das Kraftpaket wieder ab.

Gerade als ich denke, dass ich jetzt so ca. 30 bis 40 Minuten drille, sagt Michael: „jetzt sind es 1,5 Stunden – mache dich auf mindestens 3 Stunden gefasst.“ Wahnsinn 1,5 Stunden und der Torpedo ist noch kein bisschen müde. Obwohl meine Arme zu schmerzen beginnen und sich an meinen Händen langsam Blasen bilden, schwöre ich mir selbst auf keinen Fall aufzugeben – ich will diesen Fisch sehen. Ich habe vielleicht nicht allzu viel Kraft, aber dafür eine umso größere Ausdauer und eine enorme Willenskraft. Ich werde das „Big Game“ gewinnen.

Ich angle schon sehr lange und habe schon einiges erlebt, aber das hier ist der Wahnsinn, das ist eine ganz andere Liga und mit nichts zu vergleichen. Ich versuche jede Bewegung des Fisches zu spüren und hole mir Meter für Meter der straff gespannten Leine, Es ist sehr mühsam, aber der einzige Weg zum Ziel.

Doch plötzlich wird die Schnur schlaff – das Kraftpaket schwimmt mit Vollgas auf das Boot zu – ich erinnere an die 19 Meter/Sekunde – so schnell kannst du nicht kurbeln. Aber natürlich hat  Michael das sofort gecheckt und fährt dem Fisch davon. Langsam kommt wieder Spannung in die Schnur – Gott sei Dank – ich dachte schon, dass ich ihn verloren hätte. Er ist noch dran – ich verspüre wieder enormen Druck. Es ist kaum zu glauben, wenn der Motor des Bootes im Leerlauf ist, zieht der Fisch das Boot trotz Wellen und Strömung. Er will weiter raus und tiefer in sauerstoffreiches Wasser. Ich muss das verhindern. Ich habe nur eine Chance, wenn ich ihn an die Oberfläche bekomme, denn sonst erholt er sich immer wieder.

Meine Hände erholen sich leider nicht, die Blasen brechen auf, das schmerzt ordentlich, aber ich will diesen Fisch. Ich gebe nicht auf, werde aber sicher beim nächsten Mal geeignete Handschuhe tragen. Die Zeit vergeht wie im Flug – der Kampf begann um 15 Uhr 30 – jetzt ist es 18 Uhr 30 – bis jetzt 3 Stunden. Ich fass es kaum, aber ich fühle mich immer noch fit. Plötzlich tauchen in der Nähe ein paar Delphine auf, als ob sie neugierig sind was da passiert. Solche Szenen sind unbezahlbar. Genauso schnell wie sie gekommen sind, verschwinden sie wieder.

Jetzt scheint mein Gegner müde zu werden. Er kommt langsam an die Oberfläche – ich kann ihn sehen – er scheint wirklich groß zu sein, das beflügelt mich natürlich sehr, aber er  ist immer noch relativ weit vom Boot entfernt.

Langsam gewinne ich die Kontrolle und hole Meter für Meter ein. Jetzt kommt er näher beim Boot an die Oberfläche, Was für ein Fisch – gut 2 Meter lang – das bedeutet über 150 kg schwer. Mein Herz rast, ich spüre das Adrenalin – all die Anstrengung ist vergessen – die Müdigkeit wie weggeblasen – ich hab’s geschafft. Wahnsinn !!!!!!

Doch im selben Augenblick passiert etwas Schreckliches – der Thun, der gerade noch müde erschien, zieht noch einmal mit voller Kraft unter das Boot. Ich versuche natürlich ihn daran zu hindern – dabei halte ich die Rute zu steil uns sie bricht zwischen 2. und 3. Ring. Das gibt’s doch gar nicht – so ein Fehler. Ich bin entsetzt  was soll ich jetzt tun – weiterdrillen geht nicht – der Rest der Rute biegt sich keinen Millimeter mehr. Michael hat noch alles versucht, sogar den Fisch mit bloßen Händen an der Leine hochzuziehen – ich hatte Angst, dass er sich verletzt.

Wir haben alles versucht, aber letztlich gewinnt der Thun.

Ich bin total geschockt und erinnere mich noch gut an den Kommentar vom Michael: „Du hast du 4 Stunden und 8 Minuten gedrillt und jetzt ist er Fisch weg – alles umsonst – so eine Sch……“

Ich brauche noch einige Zeit um zu realisieren was da gerade passiert ist. Natürlich bin ich extrem enttäuscht – andererseits gibt es mit Sicherheit keinen Angler, der nicht schon einmal einen absolut guten Fisch verloren hat.

Der Thun ist weg, das lässt sich nicht mehr ändern, aber das Erlebnis bleibt.

Nachdem ich mich etwas gefangen habe, beginnen wir das Chaos am Boot aufzuräumen. Danach suchen wir die Boje mit dem Ankerseil, was mit dem GPS relativ einfach ist.

Dank GPS sehen wir auch noch etwas sehr interessantes – wir haben während des gesamten Drills ca. 30 km mit dem  Fisch zurückgelegt – Irrsinn.

Es dämmert langsam und ohne viel zu reden fahren zurück zum Hafen. Im Restaurant nehmen wir noch das eine oder andere Getränk, bevor wir zum Camp zurückfahren. In der folgenden Nacht schlafe ich natürlich nicht sehr gut. Tausend Dinge gehen mir durch den Kopf. Auch wenn ich einen extrem guten Thun verloren habe, war es doch ein erfolgreicher Angeltrip und gerade weil ich jetzt noch eine Rechnung offen habe, werde ich natürlich wiederkommen.

Ich bin sicher, beim nächsten Mal wird ein schwerer Thun gemeinsam mit mir ein Foto zieren.                                 


Und ganz ehrlich – wer will solche Abendstimmungen nicht immer wieder erleben.