HERAUSFORDERUNG PO-DELTA  -  WINTERKARPFEN

Der Sommer ist längst vorbei, es ist schon Spätherbst – Ende Oktober und die Nächte im Po-Delta sind schon sehr kalt und manchmal ist es auch am Tag schon sehr unangenehm.  Die Wassertemperatur beträgt nur mehr 13°.

Ich bin leidenschaftlicher Karpfenangler, aber die Bedingungen sollten schon in einem erträglichen Rahmen sein. Zu dieser Jahreszeit und im Winter ist an einen längeren Aufenthalt in einem Zelt nicht mehr zu denken. Es ist bereits viel zu kalt und wenn der Nebel über dem Fluss aufzieht ist es besonders schlimm – diese extreme Feuchtigkeit hält man nicht lange aus.

Trotzdem wird mein Wunsch heuer nochmal in diesem fantastischen Fluss auf die starken Gelben zu fischen immer größer. So ein Ausnahmefisch wäre ein Traum – aber jeder, der schon einmal im Po-Delta gefischt hat, ist sich im Klaren, dass es nicht so einfach ist. Es muss einfach alles passen und ohne Informationen von Profis vor Ort etwas Neues auszuprobieren ist wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt.

Was soll ich also tun – ich bin völlig in Gedanken und ziemlich sauer, dass ich wohl heuer nicht mehr auf die starken Flusskarpfen fischen kann.

Da läutet plötzlich mein Telefon – es ist der Wallerbertl. Als ob er es gespürt hat. Er macht mir einen Vorschlag den ich unmöglich ausschlagen kann: Ein paar Tage auf seinem beheizten Hausboot in einem neuen Revier das strömungsfrei ist. Wahnsinn !!! Er hat natürlich damit gerechnet, dass ich seinen Vorschlag annehmen werde und hat auch schon einen Platz vorgefüttert. Das ist die Lösung, das klingt sehr vielversprechend – ich muss einfach zusagen.

Zwei Tage später sitze ich bereits im Auto und flitze nach Italien um diese Variante des Karpfenangelns zu testen. Was mir schon vor der Abfahrt sehr positiv aufgefallen ist – ich habe viel weniger Gepäck, kein Schlafsack, kein Zelt und auch der Gaskocher samt Geschirr bleiben zu Hause. Auf dem Hausboot brauche ich das alles nicht. Kaum im Wallerparadies angekommen, verstauen wir mein Equipment und schon es geht los.Während der Fahrt – der Bertl steuert sicher  das Hausboot – hab ich genug Zeit mir alles ganz genau anzuschauen und Fotos  zu schießen.

Ich finde sechs Betten, eine komplette Küche mit Gasherd, einen zweiten  Kühlschrank, eine Dusche mit Warmwasser, natürlich ein WC und die ganz wichtige Heizung. Alles perfekt – sogar ein Gasgriller befindet sich an Bord. Über eine Wendeltreppe erreiche ich die Dachterrasse. Da steht ein großer Tisch mit sechs Sesseln, auch ein Sonnenschirm und es gibt jede Menge Platz.    Außerdem befinden sich hier die Wassertanks und genug Stauraum für das Equipment.

Ich genieße die Fahrt ins neue Angelrevier und bin schon überaus gespannt was mich erwartet.

Dort angekommen, verankern wir das Hausboot vor einer  Insel beim vorgefütterten Platz. Plötzlich wird mir eines klar – die Karten sind völlig neu gemischt. Ich befinde mich am größten Fluss Italiens, aber da gibt es keine Strömung. Die Temperatur des Wassers ist hier höher als im nahen Hauptstrom. Jetzt realisiere ich erst was das bedeutet. Wenn ich ein Karpfen wäre, würde ich in der kalten Jahreszeit in die wärmeren Abschnitte des Flusses ziehen. Um Energie zu sparen, würde ich Bereiche aufsuchen, wo es möglichst wenig Strömung gibt.

Das passt – das ist schlüssig – das ist genau hier. Es ist der optimale Platz zum Winterfischen und ich hab sofort ein sehr gutes Gefühl.

Jetzt steige ich noch ins mitgeschleppte Beiboot und nehme mir genug Zeit um die Gegend zu erkunden.

Es ist der reinste Wahnsinn – die Theorie bestätigt sich. Ich habe noch nie so viele Fische gleichzeitig auf dem Echolot gesehen.

Egal welche Wassertiefe – von 2 m bis über 13 m – überall schwimmen sie, meine Zielfische. Ich bin schwer begeistert.

Während meiner Rundfahrt mit dem Beiboot gibt es nicht nur Fische zu sehen – auch über Wasser hat die Natur einiges zu bieten. Ich finde eine ganze Gruppe Graureiher, die gemeinsam in einem Baum rasten, oder Sie sitzen einzeln regungslos am Ufer und jagen Fische. Es fasziniert mich immer wieder wie geduldig sie sind. Leider sind sie sehr scheu und ohne Teleobjektiv komme ich nicht nahe genug heran um vernünftige Fotos zu schießen.

Was ich sagen möchte ist folgendes – es gibt da viel unberührte Natur – herrlich. Und diese Stimmung, wenn am Fluss die Sonne untergeht ist fantastisch, das gehört einfach zum Angeln dazu.

 

Unser vorgefütterter Platz befindet sich an einer Kante in einer Wassertiefe von 6,5 bis 8,5 m. Die Wurfdistanz beträgt ca. 60 Meter. Sofort packt mich das Angelfieber und völlig ungeduldig stelle ich mein Rod Pod auf der Dachterrasse auf und stecke meine Ruten zusammen.

Da es hier keine Strömung gibt, brauche ich keine 8 bis 10 Unzen Bleie wie im Hauptstrom. Auch das übrige Setup wähle ich gleich wie bei einer Session am See. Jetzt noch die Köder aufgezogen und los geht’s – Auswurf. Drei Montagen platziere ich direkt am Futterplatz und eine absichtlich etwas abseits, sozusagen als Joker. Die Spannung steigt, was wird passieren, wird unser Plan aufgehen ?

Es wird langsam dunkel. Nun haben wir Zeit uns häuslich einzurichten. Dann kochen wir uns was Gutes und machen uns ein Bierchen auf.

Wir müssen nicht sehr lange auf den ersten Biss warten. Vorfüttern macht eben Sinn. Der Bertl rauscht aufs Dach und ich ins Beiboot, wo wir schon den Kescher und die Abhakmatte vorbereitet haben. Am Anfang des Drills scheint der Gelbe müde zu sein, aber je näher er zum Boot gezogen wird, umso mehr erwachen seine Lebensgeister und er liefert einen guten Drill. Ich kann unseren ersten Fisch keschern – ein makelloser Carp – der erste Schuppi im neuen Revier. Wieder im warmen Hausboot stoßen wir darauf an.

Nach relativ kurzer Zeit folgt der nächste Run – der zieht mächtig ab. Es ist wieder ein schöner Schuppenkarpfen, ca. gleich groß wie er erste, wieder auf einer Rute vom Bertl. Er fischt mit anderen Ködern – ich hab natürlich meine Eigenbau-Kugeln aufgezogen. Mit diesen Boilies hab ich schon viele gute Carps gefangen, aber jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, also vertraue ich der Erfahrung vom Bertl und wechsle ebenfalls auf seine Köder. Diese Entscheidung sollte sich noch als richtig herausstellen.

In einer längeren Pause haben wir Zeit etwas nachzufüttern. Das machen wir mit dem Futterboot – ist viel bequemer. Dann bereiten wir uns auf den nächsten Tag vor und gehen schlafen. In der Nacht wird es empfindlich kalt und ich bin sehr froh, dass es eine gute Heizung an Bord gibt.

Wir starten mit einem guten Frühstück in den nächsten Tag. Unter Tags kriegen wir jedoch keine Runs. Kaum bricht die Dämmerung herein bekomme ich den ersten Biss auf einer meiner Ruten. Ich spüre sofort – das ist eine Guter – er gibt von Anfang an richtig Gas und nimmt eine Menge Schnur. Nach einem heftigen Drill landen wir wieder einen schönen Schuppi mit einer Länge von 96 cm. Das ist es warum ich hier bin.

Wir diskutieren noch einmal alles durch um sicher zu gehen: die Fische ziehen im Winter in wärmere Bereiche mit möglichst wenig Strömung. Unser Plan war genau dort an einer schönen Kante vorzufüttern. So wie es aussieht ist es jedoch nicht mehr graue Theorie, sondern der Plan funktioniert. Das erhärtet sich nach weiteren schönen Fängen.

Meine Begeisterung steigt mit jedem Fisch. Mitten in der Nacht fordert mein Delkim wieder mal von mir: Edi – raus aus den Federn und ran an die Rute. Es folgt ein komischer Drill, eigentlich kein Drill, sondern eher das Einholen einer ziemlich schlappen Kreatur. Aber was ist das – ich glaub es nicht, es ist ein Gabelwels, der eigentlich in den USA beheimatet ist. Er ist ca. 50 cm lang. Wie immer diese Welse auch in den Po gekommen sind, sie wachsen und gedeihen hier. Sie sind Allesfresser und es könnte viele von ihnen geben. Obwohl ich lieber keine solchen Welse am Futterplatz haben möchte, so untermauert es doch, dass auch andere Fische eine Art „Winterquartier“ aufsuchen. Beruhigend ist aber, das die Gabelwelse die Karpfenfänge nicht beinträchtigen.

Jetzt fische ich schon seit ein paar Tagen in diesem Revier und ein kleines, aber sehr wichtiges Detail fällt mir erst jetzt auf. Durch die fehlende Strömung gibt es auch keine Probleme mit Ästen und anderem Treibgut, das sich am Hauptstrom regelmäßig in den Leinen verfängt und einem vor allem in der Nacht das Leben schwer macht.

Meine letzte Nacht bricht an. Morgen geht es zurück ins Camp – es gefällt mir gar nicht, dass diese  erfolgreiche Angeltour schon wieder vorbei ist.

Bei einem guten Abendessen lassen wir alles noch einmal Revue passieren. Ich bin sehr froh, dass mich der Wallerbertl zu diesem Testfischen motiviert hat. Wir haben seine Idee in die Tat umgesetzt und er hatte wieder einmal den richtigen Riecher. Wir hatten guten Erfolg und haben bewiesen, dass hier das Fischen im Winter eine Top Sache ist.

Während wir reden kreischt noch einmal mein Empfänger – ich habe noch einen Run – auch kein schlechter Fisch. Ich genieße meinen letzten Drill.

Die Fotos machen wir am nächsten Morgen bei Tageslicht.

 

Dann müssen wir leider zusammenpacken und ins Camp zurückfahren.

Für alle die auch im Winter nicht auf das Karpfenangeln verzichten wollen bietet der Wallerbertl jetzt das wichtige Know How und die nötigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Session.

Für mich steht eines fest – ich komme sicher wieder, auch im Winter, denn die hohe Fischdichte in diesem Toprevier, die hilfreichen Tipps und die Unterstützung vom Wallerbertl machen einen Ausnahmefisch absolut wahrscheinlich.

Ein kräftiges  Petri Heil und einen neuen “Personal Best“

wünscht euch Edi Krawagna